Interview

 

Montag, 17. August 2009

Dafür bin ich hier und schwitze ich mich jeden Tag zu Tode! - Ein Interview mit dem Diskuswerfer Robert Harting

von Böser Wolf | mechant-loup.schule

Robert Harting ist Diskuswerfer und eine der Hoffnungen Deutschlands für eine Medaille bei der Leichtathletik-WM in Berlin in diesem Sommer. Er ist 26 und kommt aus Cottbus. Jetzt lebt er in Berlin. David (14) hat mit Robert ein Interview im Vorfeld geführt.

Hatten Ihre Eltern auch mit Leichtathletik etwas zu tun?

Meine Eltern waren Kugelstoßer. Mein Papa hat sich verletzt und konnte leider nicht weiter machen.

Sind Sie Leichtathlet geworden, weil Ihre Eltern es waren?

Es war eigentlich Zufall, ich war ein guter Handballer und wollte es bleiben, aber da hat sich eine schlechte Geschichte ereignet, der Trainer wurde gewechselt und es war nichts mehr für mich. Deswegen bin ich zur Leichtathletik gekommen, ich hatte am Anfang wenig Erfolg, dann ging es mit einem Schlag plötzlich besser, und ich bin dabei geblieben.

Wie alt waren Sie, als Sie sich gesagt haben, jetzt werde ich Leichtathlet?

Zwölf, elf ein halb.

Trainieren Sie allein mit Ihrem Trainer, oder gibt es andere, die mittrainieren?

Momentan gibt es andere Sportler bei der Trainingsgruppe. In zwei Wochen, Ende Juli, sind wir allein.

Sind alle Diskuswerfer?

Alle außer einen, der ist Kugelstoßer.

Wie oft trainieren Sie am Tag?

Mindestens zwei mal pro Tag. Wenn es vormittags viel zu tun gibt, dann darf man nachmittags auch mal frei haben. Wie lange? In der Woche sind es um die zehn Einheiten.

Welche Eigenschaften braucht man, um Diskuswerfer zu werden?

Es gibt verschiedene Typen. Eine Grundeigenschaft ist einfach extremer Ehrgeiz, weil es sehr schwierig ist: Du musst Kraft haben, du musst schnell sein und du musst dich bewegen können. Wenn du nur Krafttraining machst, schränkst du deine Bewegungen ein, weil die Muskulatur einfach zumacht. Du wirst dann langsam, aber du musst schnell sein! Und wenn du nur Bewegungstraining machst, geht es wiederum auf Kosten der Kraft. Das eine Training ist immer im Widerspruch zum anderen, man muss die richtige Mischung finden.

Wie werfen Sie denn den Diskus, haben Sie eine ganz eigene Art oder haben Sie dieselbe wie alle andere?

Das Problem mit dem Diskus ist, dass der ein bisschen eine Grundform hat, wie er geführt sein muss. Da ist Individualität mit drin, ich sag mal zu 30 Prozent. Die machen dann den Unterschied aus.

Was werden Sie nach Ihrer Karriere machen? Werden Sie Trainer?

Nee, glaube ich nicht. Ich will Ende des Jahres studieren, in Richtung Werbefachmann bzw. Firmenanalyst. Ich möchte wirtschaftlich etwas aufbauen, am liebsten hätte ich gern eine eigene Werbeagentur. Sie sind natürlich vom Aussterben bedroht, deswegen muss man ein bisschen extravagant sein! Ich hoffe, dass ich das umsetzen kann.

Bis zum welchem Alter kann man als Profi Diskuswerfer sein?

Es kommt drauf an, wie lange deine Bandscheiben mitmachen, ob sie mit 30 kaputt sind oder mit 35, aber kaputt gehen sie auf jeden Fall.

Glauben Sie, dass Sie eine Chance auf eine Medaille bei der Leichtathletik-WM in diesem Jahr haben?

Dafür bin ich hier und schwitze ich mich jeden Tag zu Tode.

Na dann! Wann Sind Sie im Finale?

Mittwochabend 20 Uhr 10!


Interview: David (14 Jahre), © Grand méchant loup, www.boeser-wolf.schule.de